Sehr geehrter Herr Kollege!
Der Verlag „Die Fackel“ übersendet Ihnen
heute in meinem Auftrag
gemäss Ihrem Schreiben vom 9. Februar1932 den Betrag von
Rmk. 115.– zur Deckung des Gerichtskosten
vorschusses und Ihrer in
anderen Angelegenheiten bisher aufge
laufenen Barauslagen.
Gleichzeitig lasse ich auch
den Betrag von
Mark 2.–, den
ich Ihnen persönlich schulde, auf dem gleichen
Weg Ihnen zukommen.
Herrn Kraus ist mitgeteilt worden, dass die
Frankfurter städtische Bühnen die am 10. ds. Mts. erfolgte
Auf
führung der
„Unüberwindlichen“ als „einmaliges Gastspiel
des
Leipziger Komödienhauses“ auf ihren Probenzettel angekündigt
haben. Leider war die Beschaffung
eines solchen Probenzettels
selbst nicht möglich, doch kann dieser Umstand durch Zeugen
erwiesen werden, falls er von der
Gegenseite bestritten wird.
Ich halte diesen Umstand für
nicht unwesentlich bei Beurteilung
der Frage, ob die Frankfurter städtischen
Bühnen mit dem Gast
spiel des Leipziger Komödienhauses ihre Aufführungsverpflichtung
erfüllt haben. Denn an und für
sich stehe ich auf den Stand
punkt, dass ein Theater, das ein
Stück erwirbt, es mit eigenen
Kräften herauszubringen hat. Aber selbst wenn man dieser An-
sicht nicht sein sollte, müsste
das Theater jedenfalls Vor
sorge treffen, dass das
Gastspielensemble eine ständige Aus
wertung des Stückes ermögliche.
Keinesfalls aber geht es an,
von
vorneherein ein Ensemble für eine einmalige Aufführung zu
engagieren und damit das Stück
für den Autor in einer Stadt um
zubringen. Es wäre für mich
interessant, zu hören, ob nicht die
ser Tatbestand allein die
Geltendmachung eines weiteren Schaden
ersatzes schon jetzt ermögliche.
Allerdings wäre dazu wahr
scheinlich das Gutachten eines
Sachverständigen notwendig, der
zu beurteilen hätte, wie oft das Stück
normalerweise in Frankfurt gegeben hätte werden
können.
Ich zeichne mit vorzüglicher
kollegialer
Hochachtung
1 Beschluss zurück.